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Peer Leadership für Demokratische Bildung und Interkulturelle Kompetenz

Als Peer Leaders werden Jugendliche bezeichnet, die in ihren Gruppen Gleichaltriger, etwa in Schulklassen, Ausbildungs-Jahrgängen oder Freizeitcliquen, eine natürliche Autorität und Respekt genießen. Das kann aus ihrem natürlichen Auftreten, ihrem Selbstbewusstsein und/oder Charisma resultieren und muss nicht zwangsläufig auf überlegener Intelligenz oder höherem Status basieren.
Jugendliche lernen am besten von anderen Jugendlichen wie solchen peer leaders. Sie wirken oft authentischer auf ihre Altersgenossen als Pädagogen. Sie kennen Themen, Fragen und Gedanken ihrer Altersklasse; und gleichzeitig erhöht ihre Vertrautheit mit dem sprachlichen Code ihrer Generation ihre Glaubwürdigkeit. Gelingt es also, peer leaders so zu ermutigen und auszubilden, dass sie sich kompetent für gemeinsame Ziele unserer pluralistischen Gesellschaft einzusetzen verstehen, so stärkt sie das in ihrer Rolle und Perspektive und läßt sie zu erfolgreichen Multiplikator/innen werden.
Das Konzept der Peer Leadership für Demokratie setzt damit wie die meisten RAA-Konzepte auf Multiplikatoren und hier auf das Schneeballprinzip innerhalb jugendlicher Milieus. Es hat zugleich, wie alle RAA-Vorhaben, einen systemischen Blickpunkt: Eines seiner Mittlerziele ist es, die Partizipation und das Demokratieverständnis in Schule und Schulumfeld zu fördern. Die Kooperation mit den dort Verantwortlichen mit Blick auf Einsatzmöglichkeiten der Jugendlichen und Transfer ist daher immanenter Teil des Programms.

Das peer leadership Training
RAA aus vier Ländern (Berlin, Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern und NRW) begannen 1999 damit, junge Menschen zur Ausbildung für Demokratie und Interkulturelles Zusammenleben einzuladen und sie dann sukzessive in konkrete Projekte einzubeziehen bzw. bei eigenen Vorhaben zu unterstützen. Im Training lernten die peer leaders Methoden und Übungen, um Diskussionen mit Gleichaltrigen zu führen und Kompetenzen in den spezifischen RAA-Themengebieten zu entwickeln:

Die Ausbildung lief mit theoretischen und praktischen, regionalen und überregionalen Teilen über jeweils ca. zwei Jahre. Die Projekte vor Ort in den Schulen, Jugendzentren oder Stadtteilen der Jugendlichen wurden nach eigener Wahl ausgewählt und waren Teil des Lern-, Beobachtungs- und Auswertungsprozesses im Rahmen des Trainings. Dabei handelten die peer leaders immer in Teams und nicht als Einzelkämpfer.
Über die erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten der Jugendlichen sowie ihre praktische Anwendung während des Programms wird ein Zeugnis (ergänzt um den Qualipass, Jugendleiterausweis o.ä. Zertifizierungsverfahren) ausgestellt.
Die Teilnehmer/innen der ersten drei Durchgänge 2002 bis 2008 waren zwischen 13 und 19 Jahren alt und befanden sich im Übergang von der Schule zum Beruf oder zum Gymnasium. Schon während ihrer Ausbildung setzen sie zahlreiche Projekte gegen Rechtsextremismus und soziale Ausgrenzung, zur Respektierung und Integration von Minderheiten, zur Förderung von Eigeninitiative und demokratischem Handeln in ihren Schulen, Ausbildungs- und Arbeitsplätzen, gelegentlich auch in ganzen Stadtteilen um. Viele der Absolventen arbeiten heute als Multiplikatoren präventiv gegen Rechtsextremismus, Ausgrenzungs- und Ungleichheitsideologien, für interkulturelle Kompetenz und demokratische Bildung,

Jugend-Kulturlotsen
Eine fachliche Variante erprobten vier RAA (Berlin, Sachsen, Mecklenburg und Brandenburg) in Kooperation mit Partnern in Hamburg und Rio de Janeiro, Brasilien ab 2008 mit dem Projekt Jugend-Kulturlotsen 2010. Hier wurden Jugendliche ebenfalls mit Unterstützung von Coaches dafür trainiert, sich in ihren unmittelbaren Lebensumfeldern (Clique, Klasse, Familie, Sozialraum) für ein demokratisches Miteinander einzusetzen und sich friedlich, überzeugend und kreativ, hier speziell mit den Mitteln der Kunst zu positionieren.
Neu ist hier der besondere Blick auf schulferne/sozial benachteiligte Jugendliche und der Einsatz und das Training von Methoden der Video- bzw. Theater-Arbeit als Instrumente für diese peer leaders – Jugendkulturlotsen –, um andere Jugendliche für demokratische Partizipation zu mobilisieren und interkulturelle Fragestellungen zu öffnen. Im Theaterbereich wird dazu das Forumtheater nach Augusto Boal eingesetzt, im Filmbereich professionelle Videoarbeit. Die künstlerischen, demokratiepädagogischen und methodischen Qualifizierungsteile fließen in den Ausbildungspass für die Jugend-Kulturlotsen ein. Ihre eigenen, durch die Trainings auf hohem Niveau produzierten Beiträge befassen sich inhaltlich mit dem Umgang mit interethnischen Konflikten in der Einwanderungsgesellschaft.
Mit der Präsentation der Ergebnisse im Rahmen von Veranstaltungen und Medienkampagnen werden die Ergebnisse der Arbeit verbreitet und die Leistung der Jugendlichen anerkannt. Gleichzeitig werden andere Jugendliche motiviert, sich inhaltlich mit Konflikten und Veränderungsmöglichkeiten auseinanderzusetzen – wie das Theater der Unterdrückten generell auf lokale Beteiligungsprozesse setzt bzw. diese erzeugt.
Bleibende Erfolge der Jugendkulturlotsen-Ausbildung und ihrer Projekte sind die Theaterwerkstatt Kuringa Wedding, der Deutsche Jugendvideopreis 2011 für den Film „Milan und Moritz“ und der Youtube-Preis für den Antiziganismus Rap 2010 beider Gruppen beim Wettbewerb 361 Grad Respekt.

Die Projekte „Peer Leadership Training für Demokratische Bildung und Interkulturelle Kompetenz“ und „Jugendkulturlotsen 2010“ wurden maßgeblich, v.a. auch in der Erprobungsphase gefördert von der Freudenberg Stiftung. Sie wurden Bausteine der Programme Civitas, entimon, XENOS, "Vielfalt tut gut.“ und unterstützt durch die vom STERN und der Amadeu-Antonio-Stiftung getragene Aktion 'Mut gegen rechte Gewalt'.